Seit dem 3. Juni 2009 im Zeitschriftenhandel: Das ZEIT Wissen Magazin 4/09. Darin: Ein Dossier “Computerspiele”.
Das “Dossier” umfasst allerdings nur vier je 1-seitige Artikel:
- Gefährlich oder gut? Verbotsforderungen lenken von den wahren Problemen ab
- Von Pong bis Wii. Die Evolution der Computerspiele
- Aus Spiel wird Ernst. Serious Games sollen Wissen vermitteln
- Aufbauen stat Draufhauen. Warum sich Simulationsspiele gerade in Deutschland so gut verkaufen
Den ersten Artikel findet man auch online. Die Autoren Niels Boeing und Hannes Schettler behaupten:
Die Wissenschaft ist sich inzwischen weitgehend einig, was Computerspiele bewirken und was nicht. Verbotsforderungen aber lenken von den wahren Problemen ab.Eine gründliche Eröerterung dieser These wäre ein hilfreicher Beitrag zur Debatte, denn richtig ist: Nach jeder aufsehenerregenden (Jugend-)Gewalttat startet die Diskussion um den Zusammenhang zwischen Computerspielen und realer Gewalt wieder am Punkt Null. Leider haben die Autoren nicht ausreichend Platz, um mehr als die Zusammenstellung einzelner Fragmente zu liefern. Hier einige Anlaufstellen aus dem Artikel:
- Die Längsschnittstudie von Barbara Krahé und Ingrid Möller (Potsdam) widerlegt die Selektionsthese, nach der eine bereits vorhandene aggressive Haltung bei einer bestimmten Personenguppe bewirkt, dass diese sich zu Gewaltspielen hingezogen fühlen (und nicht umgekehrt).
- Laut Peter Vorderer (Center for Advanced Media Research Amsterdam) gibt es einen “weitgehenden Konsens über die aggressionsfördernde Wirkung der Computerspiele”.
- Christoph Klimmt (Mainz) weist daraufhin, dass i.d.R. auf Durchschnittseffekte verwiesen wird, dass aber verschiedene Spielergruppen nach ihren sozialen Umgebungen differenziert werde müssen.
- Das hatte auch Michael Slater (Ohio) bereits 2003 postuliert: Die Veränderung der Aggressivität hängt davon ab, wie gut Jugendliche in Freundeskreise integriert sind.
- Kritisch werden die Arbeiten von Christian Pfeiffer (Hannover) beurteilt, der seine Forschungsergebnisse zuerst an Medien und Politik weitergebe, anstatt sie im wissenschaftlichen Diskurs zur Diskussion zu stellen. Pfeiffers undifferenzierte Darstellung (“Medienverwahrlosung”, “Computerspielabhängigkeit”) sei nicht hilfreich.
- Man weiß also inzwischen, dass Gewaltspiele aggressionsfördernd wirken können. Aber mit einschlägigen Verbotsforderungen wird fälschlicherweise suggeriert, dass damit der Weg zur Gewalt verstellt werde. Noch einmal Christoph Klimmt:
PS: Einen differenzierten Überblick, zur Frage “Worum geht es überhaupt in Ego-Shootern?” findet man hier:
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